Chronik von Grainau

Die Siedlungsgeschichte von Grainau

Das Zugspitzdorf Grainau mit seiner einzigartigen Lage unter Zugspitze und Waxensteinen kann auf eine 700-jährige Geschichte zurückblicken.

Das Dorf gehörte zur 1294 gegründeten reichsunmittelbaren (d.h. freien) Grafschaft Werdenfels, die das Gebiet von Mittenwald bis Wallgau und das obere Loisachtal bis Farchant umfaßte. Landesherr war der jeweilige Fürstbischof von Freising.
Grainau besteht aus den Ortsteilen Obergrainau, Untergrainau, Hammersbach, Schmölz und Eibsee, deren Besiedlung zu unterschiedlichen Zeiten stattfand. Der Hauptort Grainau erscheint erstmals im Jahre 1305 im Urbar des Hochstifts Freising als "Gruenawe", was soviel bedeutet wie die "grüne Au" inmitten dichter Wälder. Drei Höfe werden genannt, wobei offen bleibt, welcher Ortsteil zuerst besiedelt wurde. Obergrainau entwickelte sich entlang des Alplebaches (um den heutigen Oberen Dorfplatz), Untergrainau als Haufendorf am Krepbach (heutiger Unterer Dorfplatz).

Die Entstehung Hammersbach

Der erste Hammersbacher Hof wird 1419 erwähnt, zusammen mit der Errichtung einer Hammerschmiede. Der Name geht
auf das Geschlecht der Hamerspacher aus Hall in Tirol zurück. Sie betrieben bis zu Beginn des 16. Jahrhunderts im Alpspitzgebiet Bergbau und errichteten in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts auf dem "Turmanger" über der heutigen Kapelle einen Wohnturm (die "Hammersbacher Burg"). Eine Karte von 1562 überliefert das ungefähre Aussehen, ab etwa 1600 verfiel das Gebäude zur Ruine.

Der Name Eibsee erscheint bereits in der Verkaufsurkunde von Garmisch im Jahre 1249 als "lacus Ibsee". Der Name läßt sich auf die dort vorkommende Eibe zurückführen. 1513 wird zusammen mit der Fischereiverpachtung das erste Anwesen am See genannt. Der Weiler Schmölz verdankt seine Entstehung ebenfalls dem Bergbau. Die erste Eisenschmelzhütte war hier 1483 in Betrieb. Weitere Schmelzhütten zusammen mit Arbeiterunterkünften entstanden im 16. und vor allem im 18. Jahrhundert. Aus einer dieser Arbeiterunterkünfte wurde um 1745 das erste landwirtschaftliche Anwesen gegründet.
 

Dorfschaften Ober- und Untergrainau

Die Viehhaltung bildete bei den Grainauern die Ernährungsgrundlage, der Ackerbau spielte nur eine ganz untergeordnete Rolle. Als Zubrot diente die Waldarbeit, gelegentliche Fuhrdienste oder Heimarbeit (vor allem die Drechslerei), der Bergbau (wenn er gerade betrieben wurde) sowie ab 1750 eine kleine Sensenfabrikation in der Schmölz. Wie in keinem andern Ort in der Grafschaft herrschte in Grainau Grundfreiheit. Nach dem Steuerbuch von 1678 waren alle damals bestehenden 43 Anwesen "frei und eigen", lediglich der Eibsee und einige Wiesen wurden vom Freisinger Fürstbischof als Leibgeding verliehen.

In den Steuerbüchern des 16. Jahrhunderts fand noch keine Trennung zwischen den Ortschaften statt. Erst Anfang des
17. Jahrhunderts bildeten sich die beiden Dorfschaften Obergrainau und Untergrainau, die eigene "Dorfmayer" (Obmänner) besaßen. Zu Obergrainau gehörten die Höfe von Hammersbach, Eibsee und (später) Schmölz. In Garmischer Urkunden wurden alle zusammen als "Gemeinden hinter der Degernau" bezeichnet, da die Degernlahne die Grenze zwischen der Garmischer und Grainauer Flur bildet.
 

Von Kirchen und Kapellen

Grainau unterstand ursprünglich der Mutterkirche in Garmisch. Kirchliche Verrichtungen wie Taufen, Hochzeiten oder Beerdigungen wurden in Garmisch vorgenommen, die Grainauer mußten auch zum Gottesdienst nach Garmisch. Trotzdem besaßen die Ortschaften ihre eigenen Kapellen. Die Kapelle von Obergrainau auf dem Kirchbichl wurde 1697 errichtet, um 1730 die Untergrainauer Kapelle und 1783 die Hammersbacher Marienkapelle aus Steinen der "Hammersbacher Burg".
1812 zog der erste eigene Ortsgeistliche in Grainau ein, 1835 wurde der sehenswerte Bergfriedhof angelegt, 1927 erhielt die Obergrainauer Kirche ihr heutiges Aussehen. Die endgültige kirchliche Loslösung von Garmisch erfolgte 1945 durch die Errichtung der Pfarrei Grainau.

Die Orte hatten während der Freisinger Zeit nur wenig unter Kriegseinwirkungen zu leiden. Obergrainau blieb aber von Feuer und Wasser nicht verschont. Am 12. März 1779 vernichtete ein Großfeuer 14 Häuser und die Kirche. Die enge Bauweise, die aus Holz erbauten Gebäude sowie eine große Trockenheit waren die Ursache, daß damals fast alle Anwesen um den Oberen Dorfplatz dem Feuer zum Opfer fielen. Nur wenige Jahre später, am 21. Juni 1788, vermurte der Alplebach den Dorfplatz und machte zwei Häuser unbewohnbar.
 

Die Erschließung der Region

Mit der bayerischen Säkularisation im Jahre 1802 wurde die Grafschaft Werdenfels dem Kurfürstentum (ab 1806 Königreich) Bayern einverleibt, darunter auch die 53 Grainauer Anwesen. Das Gemeindeedikt von 1808 erhob die beiden Dorfschaften Ober- und Untergrainau zu eigenständigen Landgemeinden. Die Auswirkungen der napoleonischen Kriege, die veränderte politische Situation sowie der Wegfall vieler alter Holz- und Weiderechte trafen große Teile der Bevölkerung und führten zu regelrechter Verarmung.

Maler, Schriftsteller und Volkskundler entdeckten Mitte des 19. Jahrhunderts den unvergleichlichen Reiz der Landschaft um Karwendel und Wetterstein. Ihnen folgten bald die ersten Sommerfrischler. Um 1870/80 begann die langsame Erschließung der Bergwelt. Mit dem Bau der Eisenbahnlinie 1880 bis Murnau, 1889 bis Partenkirchen und 1912 über Grainau nach Reutte wurde das Gebiet immer mehr dem Fremdenverkehr erschlossen. Weiteren Aufschwung brachte der Bau der Bayerischen Zugspitzbahn 1928 bis 1930. Nachdem die beiden Gemeinden im Lauf der Zeit baulich zusammengewachsen waren, erfolgte 1937 die politische Zusammenlegung.
 

Grainau in der Neuzeit

Nicht zuletzt trugen auch die internationalen Wintersportveranstaltungen auf dem Eibsee in den 30-er Jahren sowie die vorzüglichen Skipisten rund um das Grainauer Tal dazu bei, daß das Zugspitzdorf Grainau heute ganzjährig Gäste aus aller Welt beherbergt, die inmitten einer herrlichen Natur Erholung und Entspannung finden.

Das Gemeindewappen, 1958 vom Bayerischen Innenministerium der Gemeinde Grainau verliehen, zeigt auf der rechten Schildseite eine Lilie aus dem Wappen der Herren von Hammersbach. Die linke Seite erinnert mit einem Bärenkopf an den letzten Bären, der hier Anfang des 19. Jahrhunderts erlegt wurde.

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